, den 26.03.2006 (Letztes Update: 31.08.2018)

Weisse Schokolade ist wie Fussball-Weltmeisterschaft

Bastian Schweinsteiger
Bastian Schweinsteiger, Foto: Stefan Michalowsky via Wikimedia (CC BY-SA 3.0).

Weisse Schokolade. Alle Welt echauffierte sich darüber, dass die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zur Fußball-Weltmeisterschaft den Volkssport der Deutschen mit „ss“ schreiben müssen. Die Fifa hat das vertraglich angeordnet. Die Fifa hat ihren Sitz selbstverständlich in der Schweiz. Die Schweizer wiederum kennen kein „ß“. Das Aufheben, das um die Schreibweise gemacht wurde, ist einerseits aus didaktischen Gründen verständlich, andererseits überhaupt nicht nachvollziehbar.

Wider die Didaktik

Aus welchem Grund allerdings ist die einheitliche Schreibweise didaktisch wenig sinnvoll? Wer ein Mal darüber nachdenkt, wird hoffentlich schnell selbst auf den Trichter kommen. Die Rechtschreibreform hat gerade bei der Unterscheidung zwischen „ß“ und „ss“ noch die sinnvollsten Regelungen getroffen. Wenn jetzt alle Nase lang im Fernsehen und in den Printmedien um uns herum Fussball anstelle von Fußball auftaucht, dann wird das vor allem für diejenigen von Vorteil sein, die ihre liebe Mühe und Not mit der eigenen Landessprache haben. Sprachliche Gepflogenheiten brauchen ihren Raum und eine gewisse Vorlaufzeit, um sich durchzusetzen. Beides würde Fussball im Sommer erhalten, und das würde zur völligen Verunsicherung führen. Schlussendlich würden sich die Wackelkandidaten eine Schreibweise einprägen, die wenig Sinn macht, zumindest wenn man die neue deutsche Rechtschreibung zugrunde legt. Dort ist nämlich wunderbar differenziert, wann man „ß“ und wann man „ss“ schreiben muss. Nach langen Vokalen (Spaß, Straße, Fußball, Stoßstange, usf.), sowie Diphthongen, also Doppellauten (heißen, Weiß, etc.) wird „ß“ verlangt. Bei kurzen Vokalen hingegen „ss“ (müssen, Riss, Fluss, usw.).

Aufregung umsonst

Die mediale Entrüstung, die bei dem geschilderten Präzedenzfall losbrach, ist hingegen vollkommen unverständlich. Nicht nachvollziehen kann man den Aufschrei, der durch Fernsehen und Print eilte, als klar wurde, man müsse im eigenen Land währende der WM Fußball mit „ss“ schreiben. Aufmerksame Konsumenten werden mit Sicherheit bemerkt haben, dass beispielsweise die Firma Nestlé auf einige ihrer Schokoladenverpackungen Die Weisse druckt. Der Ursprung liegt auch hier erneut in der Schweiz, immerhin stammt der Konzern von dort. Doch ein für Milka in Bremen produzierter Osterhase aus weißer Schokolade – wie wird der wohl genannt?! Folgerichtig prangt auch auf der bunten Aluminiumfolie, die die Firma Kraftfoods nach Herstellung des Hasen aufbringen lässt: „Weisse“.

Alles halb so wild also? Oder vielleicht doch schlimmer als zuerst angenommen? Je nachdem, aus welcher Perspektive man das Problem betrachten möchte, ist es entweder wirklich nicht der Rede wert, oder aber als kontraproduktiv einzustufen. Im Zuge der Europäisierung nämlich sind, in diesem und weiteren Fällen, subversive Kräfte unterwegs, die eine der begründbarsten und sinnvollsten Änderungen der deutschen Rechtschreibung unterlaufen. So begegnen uns auf europäischen Umverpackungen schon seit einiger Zeit Wörter, die nach der eigenen Orthographie schlichtweg falsch sind. Ein Ende ist nicht in Sicht. Ob das den Damen und Herren überhaupt bewusst ist, die sich darum gekümmert hatten, Bewegung in die deutsche Sprachlandschaft zu bringen?! Wahrscheinlich nicht.

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