Dschungel-Scharlatan: Keine Live-Auftritte von Baltimora

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Die 1980er waren eine musikalisch äußerst einprägsame Zeit. Die Jahrzehnte rasen vorbei, und anders als z. B. in der Gattungsbestimmung in der Literaturwissenschaft, fällt es nicht gar so schwer gewisse Musikstile zu differenzieren.

Der Discofever der 1970er Jahre wurde abgelöst von einer zukunftweisenden Musik der 80er Jahre. Synth, Pop, Dance – viele Elemente damaliger Musik finden sich noch heute. Bloß dass alles in der Welt der elektronisch produzierten Töne mit viel mehr Bum Bum geschieht. Ende März, genauer am 29.03. hätte Jimmy McShane (aka Baltimora) seinen 49ten Geburtstag gefeiert.

Heiße Luft

Wenig Informationen findet man über einen kaum bekannten Italo-Disco-Act der 80er Jahre. Zur Mitte des Jahrzehnts produzierte Maurizio Bassi mit dem One-Man-Act Baltimora das Album Living in the background. Die Single Tarzan Boy wurde ein Hit. Verhältnismäßig hitverdächtig jedenfalls. Wie man aus den wenigen verschiedenen Quellen entnehmen kann, hat Bassi höchstselbst gesungen und das Liedgut getextet. Vor der Kamera allerdings, für die Aufnahme von Musikvideos, agierte der in Nordirland geborene Jimmy McShane. Am 23ten Mai 1957 im nordirischen Londonderry zur Welt gekommen, verschlug es ihn irgendwann nach Italien. Dort kamen Bassi und er zusammen. Wie doppeldeutig, und dennoch unbestätigt, die letzte Aussage interpretiert werden kann, wird klar, wenn man die Homosexualität McShanes zugrunde legt. McShane hampelte als Tarzan vor der Linse und konnte am Ende nichts dafür? Milli Vanilli lässt grüßen.

Zumindest lässt dies von Live-Auftritten Abstand nehmen. Gleichwie erreichte der Song Tarzan Boy in Deutschland und Großbritannien einen 3ten Platz in den Singlecharts, und kam in den Vereinigten Staaten von Amerika immerhin auf einen achtbaren 13ten Platz. Dort wurde der Song außerdem für Werbespots im Fernsehen adaptiert. Ebenfalls schaffte es 1993 ein Remix in den Soundtrack des 3ten Teils der „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Kinofilme. Ob, und was McShane darüber gedacht hat, ob er sich freute, geehrt fühlte – wir wissen es nicht. Entscheidend ist, dass Jimmy McShane zwei Jahre nach dem Erscheinen des 3ten Turtles-Kinofilms an den Folgen von AIDS starb.

Nostalgikern, Italo-Disco-Fans und Personen, die die Musik der 1980er mögen, sei Baltimora ans Herz gelegt; Mitleid für ein One-Hit-Wonder sollte an dieser Stelle hingegen nicht erzeugt werden.

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Geschrieben am: 04.04.2006
Zuletzt aktualisiert: 12.01.2016
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