Google kauft writely – "write" into the night(mare)

Google kaufte die Online-Textverarbeitung writely. Hernach wurde das Projekt nur einigen Interessierten zugänglich gemacht. Demnächst können wieder alle ihre Korrespondenz bei Google deponieren; dies berichtet die Netzeitung.

Was sich in dem Artikel ganz nett liest, als kostenlose Alternative zum Textverarbeitungsgruftie Word von Microsoft, birgt einen zweischneidigen Schritt in die Abhängigkeit: Alle Dokumente, die man mit der Online-Textverarbeitung „writely“ erzeugt, würden prinzipiell auf den Servern von Google gespeichert werden.

Bislang jedenfalls ist die Anwendung kostenfrei, bietet demnach einen entscheidenden Vorteil gegenüber der proprietären, teuren Anwendung von Microsoft. Ob solche Dienste auf Dauer kostenlos bleiben werden, bleibt abzuwarten. Davon einmal abgesehen betreut man einen Dienstleister mit der Sicherung seiner Daten; Geschäftsleute und Gewerbetreibende werden sich zweimal überlegen, ob sie davon Gebrauch machen. Intime Geschäftspraktiken möchten die wenigsten wohl in fremde Obhut geben. Gleichzeitig böte sich die Möglichkeit, die Verantwortung in diesem Bereich der Datensicherung und des Datenschutzes von sich weisen zu können. Sollten geheimnisvolle Daten irgendwann das Licht der Öffentlichkeit erblicken, oder würde die Elektronik versagen, müsste Google dafür haften: Ein neues Aufgabenfeld für Versicherungsbetriebe tut sich auf.

Privatleute, die bereits bei den allgemeinen Geschäftsbedingungen von ICQ das Stöhnen anfangen und um ihre Privatsphäre bangen, dennoch nicht auf die Funktion von Instant-Messengern verzichten wollen, werden auch in diesem Fall erst wieder die Nase rümpfen und trotzdem nicht auf die Dienste von Googles writely verzichten wollen. Oder geht diesmal etwas anders als sonst?

Um das Szenario noch auszuweiten: Die Militärs und/oder Wissenschaftler, die mit ersteren kooperieren, arbeiten fieberhaft an neumodischen, elektromagnetischen Waffensystemen. Magnetwellen werden eines nicht mehr allzufernen Tages dazu genutzt werden, um die technische Infrastruktur (inkl. Computern und Datenträgern) außer Gefecht zu setzen. Nicht nur aus diesem Grund werden einige zentrale militärische Institutionen bereits seit einiger Zeit unterirdsich angelegt, um derartigen Angriffen vorzubeugen. Wenn solche Waffensysteme in Mode kommen, wird auch die beste Daten-Versicherung nichts ausrichten können, um den Verlust des eigenen, elektronisch gesicherten Gedankenguts auszugleichen. Vielmehr könnte dies der Zeitpunkt sein, da das altmodische Textverarbeitungssystem von Zettel und Stift rehabilitiert werden würde.

Es steht weder Google am Pranger, noch das System an und für sich. Allerdings sollte man nicht gedankenlos in eine bessere die Zukunft gehen, nur um hinterher festzustellen, dass man auf dem Weg dorthin mehr verloren als gewonnen zu haben scheint.

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Geschrieben am: 21.08.2006
Zuletzt aktualisiert: 21.08.2006
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