Neurobiologie nicht der Weisheit letzter Schluss?

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Wenn es nach Niels Birbaumer geht, dann sind Hirnforscher von Heute in vielen Fällen nicht mehr als Psychoanalytiker und die Neurobiologie nicht der Weisheit letzter Schluss.

Das Wort Psychoanalyse hat für Birbaumer durchaus so etwas wie einen Charakter von Schimpfwort, zumindest ist die Bemerkung in gewisser Hinsicht abfällig zu interpretieren.

“Die Sicht der Mechanik des menschlichen Gehirns unterscheidet sich dabei nur in der Wortwahl, nicht in Aufbau und Logik von der Psychoanalyse: An Stelle des ‘Ich’ rutschte der ‘Neo-Kortex’, an Stelle des ‘Es’ das ‘limbische System’ und an Stelle des ‘Über-Ichs’ der ‘mediale Präfrontalkortex’.”1

Dass Birbaumer (als Psychologe) beide Disziplinen in einen Topf wirft, irritiert, noch dazu ist seine Kritik nicht an allen Stellen überzeugend. Einzig folgende Begründung ist plausibel: Man müsste, meint Birbaumer, zunächst einen gesunden Menschen zu einem Kriminellen machen, und seine Gehirnaktivitäten messen, um damit im Vergleich zu den Ergebnissen von Psychopathen eine Aussage interpretieren zu können.2 Er mahnt, neurobiologische Daten nicht vorschnell zu generalisieren und mit Bedacht an deren Interpretation heranzugehen.3

Ein bisschen verknappt stellt das schon die ganze Expertise dar, die B. in seinem knappen Kommentar in der Anthologie Hirnforschung und Willensfreiheit auf den Seiten 27 bis 29 abgegeben hat. So konnte offensichtlich jeder Mal seinen Senf dazutun. Mit seiner Bemerkung zu mehr Distanz in der Beurteilung hat er nicht ganz Unrecht, allerdings ist es nicht per se so, wie B. es darstellt. Natürlich gibt es einige Vertreter der Neurowissenschaft, die über alles erhaben sind, aber solche gibt es in jedem Bereich des wissenschaftlichen Feldes.


  1. Hirnforschung und Willensfreiheit: Zur Deutung der neuesten Experimente, S. 27. 
  2. Vgl. ebd., S. 29. 
  3. Vgl. ebd. 
Geschrieben von:
Geschrieben am: 24.09.2006
Zuletzt aktualisiert: 16.01.2016
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