, den 03.11.2006 (Letztes Update: 15.09.2018)

Shortnews unwissenschaftlich, Versuche immer erfolgreich

Kommentar
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Shortnews unwissenschaftlich. Mediale Berichterstattung von Laien ist manchmal ein Graus. Noch dazu, wenn sich ihre zugrunde liegenden Informationen selbst nur aus Käseblättern wie 20min.ch speist. Boulevardesk eben. Redlich verdient hätte sich der Benutzer mit dem Spitznamen „Katerle“ von der Nachrichtengemeinschaft Stern Shortnews ein Etikett für seine grauenhafte Zusammenfassung.

Nackt beobachtend

Fakt ist, eine Kunst-Studentin aus den Niederlanden zog sich zu experimentellen Zwecken aus. Sie lief unbekleidet durch die Stadt und wollte die Reaktion der Passanten „beobachten“. Beobachtung ist eine Möglichkeit in den Sozialwissenschaften, um zu mehr oder weniger aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen.

Nun unterschätzte die junge Dame die Gesetzeshüter. Man setzte ihrem Experiment ein jähes Ende. Sie wollte das Gesehene aus der Ich-Perspektive mittels einer digitalen Filmkamera dokumentieren.

Von nichts ne Ahnung

Im letzten Absatz seiner knappen Zusammenfassung lautet der Kommentar von Katerle:

„Jedoch fehlte ihr die Zeit für ihr Experiment, denn schon bald war die Polizei zur Stelle. Ob der Versuch ein Erfolg war, darüber konnte bisher noch nichts gesagt werden.
Katerle

Mir kommt es besonders auf den von mir fett hervorgehobenen Teil an. Sozialwissenschaftliche Experimente der Gelingensbedingung zu unterwerfen grenzt an blanken Hohn. Was für Ergebnisse müssten sich denn zeigen, wenn die Studentin ihr Experiment als „Erfolg“ bezeichnen wollte? Diese Frage scheint sich Katerle nie gestellt zu haben. Es kommt nämlich nicht auf das Ergebnis an. Das ergibt sich von selbst, wenn die Rotterdamer Nackedei ihr Bildmaterial auswertet.

Bereits vor Max Weber wurde in der Soziologie über den Verwertungszusammenhang gesprochen. Es ist höchst unwissenschaftlich, wenn man am Anfang einer Studie die Ergebnisse bereits festlegt. Und „nur“, wenn die Ergebnisse so ausfallen, wäre die Studie ein Erfolg? Mitnichten. Ganz gleich, welches Ergebnis am Ende steht, wir können eine Aussage treffen.

Qualitatives Werkzeug

Wenn man sich als angehende Soziologin zudem dem Mittel der Beobachtung bedient, dann fallen die Schlussfolgerungen sehr variabel aus. Einzig die Aussagekraft der bewegten Bilder könnte als wenig repräsentativ abgetan werden. Einerseits wegen der durch die Polizeigewalt erzwungene Kürze, andererseits wegen der nicht wenig beeinflussenden Versuchsanordnung.

Es gibt Versuchsanordnungen, bei denen wir schon im Vorfeld diagnostizieren können, dass sie wenig brauchbare Ergebnisse liefern.

Update vom 15. September 2018: Stern-Shortnews gibt es so nicht mehr. Leider ist die Quelle auch im Webarchiv nicht verfügbar. Entsprechend entfernten wir den Link.

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