Essay: TeeVau – Quo vadis?

Apple TV
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Wir schreiben das beginnende einundzwanzigste Jahrhundert, ein Dorf von unbeugsamen… – Nein, anders: Quo vadis, TV? Was einst als Telemedium – noch ist das Fernsehen keine 100 Jahre alt – begann, ist heute mehr und mehr dazu verdammt, sich seinen Weg durch neue Technikkanäle zu bahnen. 

Fernsehen übers Kabel, Fernsehen über Satellit. Fernsehen über die terrestrische Antenne, jawohl, diese Verbreitungswege sind etabliert, es kennt sie jeder. Selbst jene, die der Flimmerkiste gänzlich abgeschworen haben, sie wissen darüber Bescheid wie das Medium sich konstituiert. Es kommt heute von überall. Aus der Steckdose, aus der Telefonleitung, über Wellen von Mobilfunk- und Internet-Anbietern.

Seit vor nicht ein Mal vierzig Jahren das Internet gebar, und sich sukzessive und immer schneller Synergien im Bereich der Technik vollzogen, gerät das herkömmliche Fernsehen immer weiter in Bedrängnis. Was ist Fernsehen heute, da die Röhrenbildschirme zunehmend von flachen LCD- oder Plasmadisplays verdrängt zu werden scheinen? Was wird das Fernsehen sein, in nicht ein Mal zehn Jahren, da bereits heute schon UMTS-Mobiltelefone auf Minidisplays Fernsehbilder liefern? Es ist dies eine Zeit, in der wir uns just befinden, in der der Markt überschwemmt wird von neuen Verbreitungstechniken und Zugangsmöglichkeiten zu dem, was einstmals stur die Akteure in ihren heimischen vier Wänden gefesselt hat. Ausdifferenzierung heißt dieser Prozess, der immer dann einsetzt, wenn ein Medium über seine herkömmlichen Eigenschaften kaum mehr Impulse verspricht. MHP, EPG, Interaktivität, digitales Fernsehen, HD, und Co… alles schön und gut, doch braucht ein Medium neues Land.

Unblutige Schlachten werden geschlagen, in denen es vor allem um Geld geht. Ein jeder möchte dabei gewinnen und am Ende? Am Ende wird es nicht so sein wie sonst immer. Denn wir sind in der gesellschaftlichen Entwicklung auf einem Level angelangt, da es Dank Globalisierung keine weitschweifigeren Tendenzen mehr zu geben scheint. Höchstens andere Planeten bleiben noch zu erobern, doch bis dahin müssen wir das alltägliche Leben neu organisieren. Fernsehen war ein Leitmedium, und das bewegte, über Entfernung transportierte Bild macht es sich nun überall und nirgends gemütlich, damit die audiovisuelle Kulturerscheinung nicht hinter einem der kleinen Brüder zurücktreten muss, die es eigentlich erst vor kurzem im Wuchs eingeholt hatte. Das Auge und das Ohr werden vom Fernsehen beansprucht, und seit der Einführung von Speichermedien für Bild- und Tonmaterial und der flächendeckenden Digitalisierung von Fernsehbildern wird etwas möglich, das zuvor lediglich Literaturwissenschaftlern am Objekt ihrer Belletristik exerzierten. Die vergleichende Analyse.

Auf dem Weg zu Spielern und Nutzern

„Quo vadis?“ fragen wir also heute. Wir schauen uns um, und wir sehen einen Zuwachs an Mobilität, der nicht in einer allumfassenden, zwanghaften Bewegung enden wird. Die Ausdifferenzierung findet vor unseren Augen oder doch hinter unserem Rücken statt, und am Ende dieses Prozesses wird es für jeden den optimalen Zugangsweg zum bewegten und vertonten Bild geben? So ist es zwar nicht intendiert, gleichwie wird es so kommen. Was einstmals der Unterschied zwischen Stadt und Land war, was dann zum Unterschied zwischen Globetrottern oder Jetsettern und den Normalbürgern wurde – die modernen Gesellschaften werden sich, fernab jedweder globalen Konfliktherde entwickeln, und zwar in distinktive Schichten von Akteuren. Der US-Medienwissenschaftler Lev Manovich traf die Unterscheidung zwischen Playern (Spielern) und Usern (Nutzern). Zwischen diesen beiden Polen werden sich mehr oder weniger technikaffine Kategorien ausbilden. Es wird sowohl mobile Spieler, als auch mobile Nutzer geben, die ihr Fernsehen über die unterschiedlichsten Kanäle überall empfangen, und es wird weiterhin die Stationären geben, die sich kaum außerhalb ihrer nationalstaatlichen Grenzen bewegen, allerhöchstens einmal in Urlaub reisen.

Was jedoch nicht geschehen wird: Das Fernsehen wird nicht von der Bildfläche verschwinden. Wie nie eine mediale Funktion jemals von der Bildfläche verschwunden ist. Zwar sind in der Geschichte einzelne Medien verschwunden, jedoch immer nur dann, wenn ihre Funktion von anderen Medien übernommen wurde. Mediale Funktionalität ist zeitlos. Es steht dazu nicht im Widerspruch, wenn man sagt, dass mediale Funktionalität tradiert wird. Einzig wenn unsere Spezies sich nicht mehr überlebt, wird auch die Debatte über Medien und ihre Funktion erlöschen. Nichts ist von Bedeutung, solange der Mensch nicht drüber diskutiert. Man soll jedoch niemals nie sagen, und vielleicht kommt ein Mal der Tag, an dem die Delphine uns zurufen werden: „… und danke für den Fisch.“

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Geschrieben am: 03.11.2006
Zuletzt aktualisiert: 13.03.2018
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