, den 11.10.2007 (Letztes Update: 22.09.2018)

Google und Goethe, warum?

Google
Google, Bild: CC0

Dass Google eine Buchsuche anbietet, dürfte zumindest einigen Leuten bekannt sein. Da in Frankfurt am Main derzeit die Buchmesse ihre Pforten geöffnet hat, initiiert Google eine Informationsseite zu Johann Wolfgang von Goethe (vgl. Golem). In den Medien wird Deutschland oft als das Land der Dichter und Denker, und Goethe immer als der Primus dieser Zunft gepriesen.

Erst vor kurzem saß ich bei Tisch mit der Familie und mein Großonkel sprach von der deutschen Kultur. Als Student der Literaturgeschichte hab ich genug mit Goethe zu tun gehabt. Dieses Urteil fälle ich subjektiv und bin zufrieden damit. Denn ich habe die Vita von Goethe kennen gelernt in demselben Augenblick, da ich mich mit Jakob Michael Reinhold Lenz beschäftigte. Gut, eigentlich hätte ich noch graue Masse aus der Schulzeit revitalisieren können sollen, da wir einstens den Faust lasen – geschenkt.

Goethe kein Gutmensch

Mir stieß zum einen die Diskussion mit dem Großonkel böse auf, ich bot ihm an, ihm einen Biographie von Goethe schenken zu wollen. Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, warum das Land der Dichter und Denker stolz sein sollte auf jemanden wie Goethe. Mein Großonkel argumentierte moralisch und beklagte den Werteverfall und das geringe kulturelle Verständnis von Jugendlichen von Heute. Gerade aber, weil er moralisch wurde, konnte ich ihm einen Goethe nicht durchgehen lassen. Warum sollte ich dann Google einen Goethe durchgehen lassen? Was hat denn dieser Mensch Gutes getan, als dass man ihn derart in den Himmel loben müsste?

Goethes Unterschrift – er hat einige handverlesen – findet sich unter Verkaufszetteln von Söldnern für fremde Königreiche um das eigene zu Weimar, für das er am Hofe arbeitete, von Schulden zu befreien. Goethe reiste also durchs Land und raubte Familien die Väter und Söhne und verkaufte sie ohne deren Willen. Er hätte sich verweigern können, wenn er gewollt hätte, nagte doch der Sohn aus gutem Hause zu keiner Zeit am Hungertod. Goethe schasste Freunde, oder solche, die dachten, seine Freunde zu sein. Goethe hatte durchaus etwas von einem Chauvinisten, er hatte Liebschaften und brach die Herzen von einigen Damen. Goethe war also ein Mensch, und Goethe hat noch viel mehr Dreck am Stecken gehabt. Warum also ihn moralisch überbewerten und ihn hochhalten? Seine Texte, von denen noch nicht mal bei allen sicher gestellt ist, dass sie überhaupt von ihm sind… – sollen diese als einzige Rechtfertigung gelten dürfen?!

Kein Grund, auf Goethe stolz zu sein

Wenn man mich fragt, muss man nicht so tun, als wäre Goethe ein Gott. Und erst Recht muss man ihn nicht als Aushängeschild für die deutsche Kultur missbrauchen. Denn aus gewissen Perspektiven betrachtet hat man gar keine Gründe, stolz darauf zu sein.

Im Interview: Patrick Klingberg von Steckdose.de
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