Robert Scoble wegen Plaxo auf Facebook gesperrt

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Facebook hat mit Robert Scoble einen US-Topblogger von seinen Seiten verbannt. Warum? Scoble habe ein Script für die Konkurrenz „Plaxo“ ausprobieren wollen, um damit E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Facebook-Freunden auszulesen, damit sie nach Plaxo exportiert werden können.

Scoble verstieß gegen die AGB von Facebook, und wurde in einer automatisch generierten E-Mail informiert, dass sein Account deaktiviert wurde. Schon 12 Stunden nach der Deaktivierung wurde der Account von Scoble wieder freigeschaltet. Doch bis es soweit war, wurde viel darüber diskutiert. In der späteren, persönlichen Antwort an Scoble, als man seinen Account wieder online schaltete, hieß es, dass die Verwendung von automatisierten Scripten verboten sei.
Plaxo hätte allerdings Scoble und andere Blogger, die das gleiche Schicksal ereilte, gar nicht erst in die Verlegenheit bringen müssen, argumentiert Michael Arrington. Denn Personendaten seien über die neue Facebook-API exportierbar gewesen.

Wie geht es weiter?

Drei Szenarien kommen einem in den Sinn, wenn man darüber nachdenkt, wie es nun weitergeht. 1) Facebook zeigt sich wenig irritiert und alles bleibt, wie es ist. Dieser Fall scheint am wahrscheinlichsten. Auch die Antwort auf Scobles Reaktion lässt den Schluss zu:

„Our standard process for handling cases when an account is disabled for security violations is to allow a user to appeal and remedy the situation. This is the process we have followed here. Since you contacted us and have agreed not to run the script again, we have reactivated your account. (…) In the future, please refrain from running these types of scripts again.“
Jerry (Facebook)

Scoble wird also informiert, dass dies Standard-Prozedere gewesen sei, und er in Zukunft von der Verwendung solcher Scripte absehen soll. Es deutet sich nicht an, dass Facebook etwas an seiner Agenda ändern will.

Wenn allerdings der Druck aus der Öffentlichkeit größer würde, ist außerdem denkbar, dass 2) Facebook sich die konstruktive Kritik zu Herzen nimmt und Änderungen an seiner Policy vornimmt.

Oder aber 3) Facebook kauft Plaxo auf. Tatsächlich steht Plaxo gerüchteweise sogar zum Verkauf. Damit würde ein Teil der Kritik von jetzt auf gleich obsolet werden. es wird gemunkelt, dass diese Aktion nur ein Marketing-Plan gewesen sei, um Aufmerksamkeit für den bevorstehenden Verkauf Plaxos zu erzeugen. In einer Auktion soll Plaxo mindestens $100 Millionen erzielen.

Migration von Daten

Die Migration der eigenen Daten von einem Social Network in ein anderes, oder überhaupt der Import und Export der eigenen Daten wird derzeit diskutiert. Scoble selbst befeuert die Diskussion mit dem Hinweis er sei dem Projekt Dataportability.org beigetreten.

Scoble kennt viele Leute auf Facebook. Deshalb hat das Plaxo-Script bei seiner Arbeit unheimlich viel Datenaufkommen erzeugt. Mechanismen, die rein quantitativ als Schutz vor Missbrauch installiert sind, haben Alarm geschlagen, und vorsichtshalber wurde Scobles Account eingefroren.
Es gibt Personen, die automatische Schutzmechanismen für Start-ups wie Facebook nicht gelten lassen wollen. Sie würden alteingesessenen Unternehmen besser zu Gesicht stehen, hieß es. Diese Argumentation geht allerdings an der Realität vorbei. Denn gerade heute sind automatisierte Angriffe einfacher als je zuvor. Mit automatisierten Verfahren wird lediglich versucht, den Schaden zu begrenzen.

Darüber hinaus wird Zuckerbergs Social Netzwerk sich der Diskussion über die offene Behandlung von Profildaten nicht verwehren können. Zum jetzigen Zeitpunkt sind aber gerade die sozialen Graphen das Kapital Facebooks. Die Liberalisierung in diesem Bereich würde zur Folge haben, dass die Wettbewerber aufholen würden, gleichzeitig aber mit Inhalten und Funktionen punkten müssten, um die Nutzer bei der Stange zu halten und für Werbekunden interessant zu sein.

Es gibt Stimmen, die in Robert Scoble nicht nur ein Opfer sehen. Denn immerhin hätte Scoble das Recht anderer Nutzer (seiner Freunde) an deren E-Mail-Adressen ebenfalls tangiert, und ein Lager, das Offenheit nicht uneingeschränkt unterstützen mag, weil diese ausgenutzt werden kann.

Wem gehört der soziale Graph?

Eine Frage, die sich unweigerlich stellt: Wem gehören eigentlich die personenbezogenen Profildaten? Den Nutzern? Oder dem Betreiber des Netzwerks? Gibt eine Person die Rechte an seinen Informationen ab, sobald sie sich dazu entschließt, sich in einem Social Network anzumelden?

Neben der Aufmerksamkeit, die Facebook aktuell erfährt, dürfen wir nicht vergessen, dass in Deutschland zuletzt auch Xing unter Druck geraten ist, nachdem die Art des Unternehmens, Werbung zu machen, bei den Premiumkunden übel aufgestoßen ist.

Geschrieben von:
Geschrieben am: 05.01.2008
Zuletzt aktualisiert: 26.11.2015
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