, den 13.02.2008 (Letztes Update: 03.09.2018)

Galilei Schuld an der Atombome?

Kommentar
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Der Dichter und Dramaturg Bertold Brecht schreibt in einer seiner Anmerkungen zu seinem Stück “Leben des Galilei” über die Wertschätzung für die reale Figur des Galileo Galilei (Wikipedia). Brecht ist der Meinung, dass Galilei aus der Astronomie und der Physik gesellschaftlich wenig beachtete Disziplinen hat entstehen lassen. Er habe sie “ihrer gesellschaftlichen Bedeutung beraubt” schreibt Brecht. Indem man einen Disput mit der Kirche ausfocht und sich der Obrigkeit ergab, so folgert Brecht, hat Galilei es unmöglich gemacht, die Breitenwirkung der beiden Disziplinen zu fördern. Die Nähe zum Volk hat Galilei aufgegeben und fortan einen Disput unter Fachleuten geführt.

Wenn denn immer alles so einfach wäre. Im 17ten Jahrhundert war die Literalisierung des Volkes und dessen Bildungsgrad höchst unterentwickelt. Selbst wenn Galilei sich als Revoluzzer aufgetan hätte, wären wir heute dann wirklich alle beseelt von Physik und Astronomie? Dadurch, dass diese Wissenschaften fortan in Hinterzimmern und Laboren stattfanden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ermöglichten sie erst ihre ungesehene Inbeschlagnahme. So zumindest verstehe ich Brecht. Er bezeichnet Galileis Tat als Erbsünde der modernen Naturwissenschaften.

“Die Atombombe”, schreibt Brecht, “ist sowohl als technisches als auch soziales Phänomen das klassische Endprodukt seiner (Galileis) wissenschaftlichen Leistung und seines sozialen Versagens.”  – Wer ist noch der Meinung, dass Galilei Mitschuld (oder Hauptschuld) am Entstehen der Atombombe hat?!

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