Im Test: Professionell Bloggen mit WordPress

Professionell Bloggen mit WordPress
Professionell Bloggen mit Wordpress - Cover

“Professionell Bloggen mit WordPress” lautet der Titel eines Buches von Tom Alby. Dieser neigt, so viel sei bereits verraten, wie viele seiner Mitstreiter unter den IT-Buch-Autoren zum Schwafeln. Aus langjähriger Erfahrung heraus überblättere ich Wörter und Seiten, wenn ich merke, dass sie mich in meinem Drang nach Information und Erkenntnis-Interesse nur bremsen.

Es gibt ziemlich viel, was man an dem Buch von Tom Alby hätte verbessern können. Der oberflächliche Schreibstil ist allerdings gut. Da ich mich aber mit der Geschichte des Internets schon auskannte, musste ich das Thema nicht auch noch zum 120ten Mal im Anfangskapitel aufgewärmt bekommen.

Titel nicht optimal gewählt

Der Titel des Buches ist meiner Meinung nach falsch gewählt. Die Lektüre des Buches führt am Ende nicht dazu, dass der Leser oder die Leserin “professionell” mit WordPress bloggen könnte. Mit Albys Buch wird vielmehr ein Einstieg in das Thema geleistet. Die ersten Kapitel helfen Einsteigern, um WordPress zu installieren und geben Hinweise darauf, wo man weiter tätig werden könnte. Die letzten Kapitel vermitteln Wissen über die Interna von WordPress, vor allem Kapitel 8.

Man fühlt sich an Bausteine erinnert. Für Leute, denen der Überblick jedoch fehlt, werden diese Bausteine kaum Anwendungsbeispiele sein, sondern nur interessante Fetzen, die man nicht einzusetzen weiß. Weniger wäre vielleicht mehr gewesen und Alby hätte anhand einer Beispielseite verschiedene der “Template_Tags” integrieren können. Alby erläutert ihre Funktion, doch nicht jeder Leser wird sofort wissen, an welcher Stelle er nun etwas damit anfangen wird können.

Zu viel vorausgesetzt?

Alby erläutert etliche PHP-Zeilen in dem Buch. Allerdings paraphrasiert er sie nur und beschreibt deren Funktion. Für den Nutzer bedeutet dies, er schreibt blind den Code ab, ohne zu verstehen, was er eigentlich tut. Wenn er von PHP keine Ahnung hat, dann tappt er nach der Lektüre trotzdem weiterhin im Dunkeln bei allen Dingen, die er nicht implizit “gelernt” hat. Also bei solchen, bei denen sein Abstraktionsvermögen ausgereicht hat, um die Struktur oder Logik dahinter nachzuvollziehen. Jemand, der bereits PHP oder andere Programmiersprachen kennen gelernt hat, erkennt hingegen Fehler, wenn sie ihm begegnen…

Quellcode fatal

Alle anderen können das nicht und stehen vor Problemen. Was, wenn eine Klammer nicht geschlossen wurde? Was, wenn ein Semikolon fehlt? Der ganze Code funktioniert dann nicht. Solche Fehler gibt es im Buch von Alby leider viel zu oft.

Alles, was ich bislang kritisiert habe, muss natürlich kein Problem darstellen, wenn Alby eindeutig eine Zielgruppe adressiert hätte, die mehr Ahnung hat als der Laie. In seinem Vorwort fühlt sich niemand so wirklich angesprochen.
Angesichts der Struktur des Buches kann man aber davon ausgehen, dass Alby Anfänger ansprechen wollte.

Fußnotenwirrwarr

Ebenfalls unverständlich bleibt die Sache mit den Fußnoten. Ganz Silvester Stallone aus der Sci-Fi-Action-Komödie Demolition Man, frage ich wie denn das mit den Muscheln (Fußnoten) funktioniert. Spaß beiseite: Die Fußnoten werden nicht jedes Kapitel neu vergeben. Sie werden aber auch nicht jedes Unterkapitel neu vergeben. Zunächst könnte man den Eindruck gewinnen, doch an einer Stelle wird die Konsistenz in der Kennzeichnung aufgehoben. Denn Kapitel 3.3 beginnt auf einer Seite – es gibt 2 Fußnoten darunter, beide mit 1 und 2 gekennzeichnet. Man blättert um, stellt fest, es gibt erneut die Fußnoten 1 und 2, und das obwohl noch kein neues Unterkapitel begonnen hat. Das geschieht erst auf der nächsten Seite.

Kapitel 6.3 hat dann mitsamt all seiner Unterkapitel übrigens 100 Fußnoten abbekommen. Amüsant, wenn man überlegt, dass die “immer wieder neu”-Nummerierung eigentlich aus dem Grund Verwendung fand, um gerade mehrstelligen Fußnoten aus dem Weg zu gehen.

Quellcode wohin?

Was mich ebenfalls gestört hat: Es gibt Stellen, an denen ist nicht eindeutig klar, wo ein bestimmter Quellcode hingehört. Für Nutzer, die sich nicht so gut auskennen, wäre das ein Problem. Einfaches Beispiel: Nachdem zunächst umfassend ein Exempel notiert wurde, macht man sich daran, die Datei im Einzelnen zu beschreiben. Es wird von Alby z. B. eine index.php zum Thema gemacht. Es wird dann ein gewisses Grundgerüst gezeigt und im nächsten Absatz der Ausdruck erläutert, der den Inhalt im “Loop” ausgibt (vgl. Kapitel 7). Einen Hinweis darauf, dass der Teil, der den Inhalt generiert, aber zwischen zwei Ausdrücke geschrieben werden muss, die zuvor erwähnt wurden (damit er sinnvoll Inhalt produziert), und eben nicht ans Ende, findet man nicht. Schreibt man den Teil unter den Loop, produziert WordPress keine Ausgabe. Schreibt man ihn an die falsche Stelle, gibt WordPress nur einen und nicht alle Artikel aus. Das sind Fallstricke, über die ein Anfänger gerne stolpert und über die Alby jenem eben nicht hinweg hilft. Das ist in meinen Augen die größte Schwachstelle des Buches.

Eher am Rand fragt man sich, ob im Lektorat von IT-Buch-Verlagen gerne mal weggeschaut wird. Ich möchte hier vor allem an meine Erfahrungen mit Galileo Computing erinnern.

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Geschrieben am: 15.01.2009
Zuletzt aktualisiert: 15.01.2009
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