Test: Professionell Bloggen mit WordPress

Professionell Bloggen mit WordPress
Professionell Bloggen mit Wordpress - Cover

„Professionell Bloggen mit WordPress“ lautet der Titel eines Buches von Tom Alby. Im Test haben wir versucht festzustellen, wie viel Know-how vermittelt wird, und wie viele Seiten der Autor sich auch hätte sparen können.

Autor Tom Alby neigt, wie viele seiner Mitstreiter unter den IT-Buch-Autoren, zum Schwafeln. So viel vorweg: Es gibt Einiges, das man an dem Buch von Tom Alby hätte verbessern können.

Kein optimaler Titel

Der Titel des Buches „Professionell Bloggen mit WordPress“ ist meiner Meinung nach falsch gewählt. Die Lektüre des Buches führt nicht dazu, dass der Leser „professionell“ mit WordPress bloggen könnte. Mit Albys Buch wird vielmehr ein Einstieg in das Thema geleistet. Die ersten Kapitel helfen Einsteigern, um WordPress zu installieren und geben Hinweise, wie man weiter tätig werden könnte. Die letzten Kapitel vermitteln Wissen über das Innenleben von WordPress.

Man fühlt sich bei den Kapiteln in „Professionell Bloggen mit WordPress“ an Bausteine erinnert. Fehlt jedoch jemandem der Überblick, kann er diese Bausteine nicht zu einem großen Ganzen zusammensetzen, sondern nimmt sie nur als interessante Fetzen wahr.

Alby hätte anhand eines Beispielprojekts verschiedene der „Template_Tags“ integrieren können (vgl. https://codex.wordpress.org/Template_Tags). Alby erläutert zwar ihre Funktion, doch nicht jeder Leser wird sofort wissen, an welcher Stelle in einem Blog, geschweige denn im Prozess des Bloggens er etwas damit anfangen kann.

Zu viele Voraussetzungen?

Alby erläutert etliche Zeilen PHP-Quellcode in seinem Buch. Doch er paraphrasiert sie nur und beschreibt deren Funktion. Für den Nutzer bedeutet dies, er schreibt blind den Code ab, ohne zu verstehen, was er eigentlich tut. Wenn er von PHP keine Ahnung hat, tappt er nach der Lektüre weiterhin im Dunkeln. Das trifft vor allem immer dann zu, wenn bei den impliziten Beispielen Albys das Abstraktionsvermögen nicht ausgereicht hat, um die Struktur oder Logik dahinter nachzuvollziehen. Jemand, der bereits PHP kennen gelernt hat, erkennt hingegen sogar Fehler in Albys Beschreibungen.

Fehler im Quellcode

Alle anderen können das nicht und stehen vor Problemen. Was, wenn eine Klammer nicht geschlossen wurde? Was, wenn ein Semikolon fehlt? Der ganze Code funktioniert dann nicht. Solche Fehler gibt es im Buch „Professionell Bloggen mit WordPress“ von Alby leider viel zu oft.

Alles, was ich bislang kritisiert habe, muss kein Problem darstellen, wenn Alby eindeutig eine Zielgruppe adressiert hätte, die mehr Ahnung hat als der Laie. In seinem Vorwort fühlt sich niemand so wirklich angesprochen.

Fußnotenwirrwarr

Ebenfalls unverständlich bleibt die Struktur der Fußnoten. Analog zu Silvester Stallone aus der Sci-Fi-Action-Komödie Demolition Man, frage ich, wie denn das mit den Muscheln (Fußnoten) funktioniert. Spaß beiseite: Die Fußnoten werden nicht jedes Kapitel neu vergeben. Sie werden aber auch nicht jedes Unterkapitel neu vergeben. Zunächst könnte man den Eindruck gewinnen, doch an einer Stelle wird die Konsistenz in der Kennzeichnung aufgehoben. Denn Kapitel 3.3 beginnt auf einer Seite – es gibt 2 Fußnoten darunter, beide mit 1 und 2 gekennzeichnet. Man blättert um, stellt fest, es gibt erneut die Fußnoten 1 und 2, und das obwohl noch kein neues Unterkapitel begonnen hat. Das geschieht erst auf der nächsten Seite.

Kapitel 6.3 hat dann mitsamt all seiner Unterkapitel übrigens 100 Fußnoten abbekommen. Amüsant, wenn man überlegt, dass die „immer wieder neu“-Nummerierung eigentlich aus dem Grund Verwendung fand, um gerade mehrstelligen Fußnoten aus dem Weg zu gehen.

Wohin mit dem Quellcode?

Was ebenfalls stört: Es gibt Stellen im Buch, an denen ist nicht eindeutig klar, wo ein bestimmter Quellcode hingehört. Weder wird er im Kontext zitiert, noch erfolgt die Beschreibung im Inhalt. Für Nutzer, die sich nicht auskennen, stellt das ein Problem dar.

Einfaches Beispiel: Nachdem zunächst umfassend ein Beispiel notiert wurde, macht Alby sich daran, die Datei im Einzelnen zu beschreiben. Es wird eine index.php zum Thema gemacht. Es wird dann ein gewisses Grundgerüst gezeigt und im nächsten Absatz der Ausdruck erläutert, der den Inhalt im „Loop“ ausgibt (vgl. Kapitel 7). Für gewöhnlich geht man davon aus, dass man chronologisch, bzw. von oben nach unten denkt. Neuen Quellcode würde man ans Ende dessen schreiben, was man zuvor geschrieben hat.

Im erwähnten Beispiel muss der Loop-Teil, der den Inhalt generiert, zwischen zwei Ausdrücke geschrieben werden, und eben nicht ans Ende. Schreibt man ihn darunter, produziert WordPress keine Ausgabe. Schreibt man ihn an die falsche Stelle, gibt WordPress nur einen und nicht alle Artikel aus. Das sind Fallstricke, über die ein Anfänger gerne stolpert und über die Alby jenem nicht hinweg hilft. Das ist in meinen Augen die größte Schwachstelle des Buches.

Eher am Rand fragt man sich, ob im Lektorat von IT-Buch-Verlagen gerne mal weggeschaut wird. Ich möchte vor allem an meine Erfahrungen mit Galileo Computing erinnern.

Wertung

3.5/10
Buchumschlag hochwertig
Preis günstig
Fußnoten ohne Struktur
Quellcode ohne Kontext
nicht für Einsteiger
zu viel Geschwafel
Geschrieben von:
Geschrieben am: 15.01.2009
Zuletzt aktualisiert: 03.02.2016
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