Interview mit Alexander Artopé von smava

Alexander Artopé
Alexander Artopé von smava

Alexander Artopé ist Gründer und Mit-Geschäftsführer von smava, einer Onlineplattform auf der Kredite von Privatpersonen an Privatpersonen vermittelt werden. Vor einiger Zeit bot man mir ein Kurzinterview an, und nach einiger Zeit des Überlegens dachte ich über ein paar Fragen nach.

Immerhin: Die Zeiten für den Handel mit Geld sind nicht gerade gut. Das Vertrauen im Finanzsektor ist nachhaltig beeinträchtigt. Aber vielleicht ist gerade das die Chance, um eine Plattform wie smava zu etablieren. Herr Artopé spricht mit uns über den Aspekt Sicherheit, das Potenzial von smava als Angebot für Existenzgründer und andere Dinge mehr.

Alexander Trust: Smava ist ein Handelsplatz für Kredite. Können Sie den Nutzern (Geldgebern wie Kreditnehmern gleichermaßen) für die abgeschlossenen Kredite garantieren? Welche Rolle spielt die Plattform hierbei überhaupt, und ist der Handel, bzw. die Vermittlung von Krediten nicht schon wegen der Gesetzeslage ein problematisches Kapitel?

Alexander Artopé: Sicherheit hat für uns höchste Priorität. Wir haben viele Absicherungs-Mechanismen für eine Geldanlage auf dem smava Marktplatz eingerichtet, beispielsweise eine sorgfältige Prüfung der Kreditnehmer (Identität, Schufa-Score, Kapitaldienstfähigkeit, etc.). Anleger-Pools, die als gemeinschaftliche Absicherung gegen möglichen Kreditausfall funktionieren, sorgen für den Schutz des Kapitaleinsatzes. Wenn in einem Pool von 100 Anlegern beispielsweise der Kredit eines Geldgebers ausfällt, wird der Verlust von den anderen 99 ausgeglichen. Der Vorteil dabei ist, dass Anleger das Risiko transparent abbilden und in ihre erwartete Nettorendite einkalkulieren können.
Aus rechtlichen Gründen wird der Kreditvertrag nicht direkt zwischen Kreditnehmer und -geber abgeschlossen, sondern über eine Bank. Die biw Bank vergibt die von den Anlegern ausgewählten Kredite und verkauft diese ohne Preisaufschlag an die Anleger weiter. Vollkommen ohne Bank geht es also aus rechtlichen Gründen auch bei smava nicht.

Da die Plattform smava auf einem ausgeklügelten Konzept basiert und ein hohes Maß an Sicherheit für alle Marktteilnehmer bietet, hat uns die Stiftung Warentest zum wiederholten Male sehr positiv beurteilt und als „erste Wahl“ bezeichnet.

Glauben Sie, dass Smava auch für Existenzgründer interessant werden könnte, um beispielsweise nicht in die Abhängigkeit von VC-Gebern oder Banken zu geraten?

Einer unserer USPs besteht darin, dass wir auch die Zielgruppe Selbständige und Freiberufler bedienen, die aus Sicht der Banken sehr risikobehaftet sind. Auch viele smava Anleger sind selbständig und kennen die Probleme, mit denen Selbständige bei Banken zu kämpfen haben. Sie wissen aber auch, dass Selbständige mit einem funktionierenden Konzept, guter Auftragslage und guter Bonität nicht mehr oder weniger riskant sind als private Kreditnehmer. Aus diesem Grund investieren sie ihr Kapital gerne in Projekte von Kleinunternehmern, die beispielsweise expandieren möchten.
Grundsätzlich halten wir es auch für eine gute Idee, Existenzgründer zu unterstützen. Leider haben wir noch keinen Weg gefunden, das damit verbundene Risiko für unsere Anleger quantitativ abzubilden. Eine quantifizierbare Einschätzung des Risikos halten wir aber für elementar, da Anleger sonst schnell viel Geld verlieren könnten. Verwertbare Daten, anhand derer man das Risiko abbilden könnte, stehen unserer Meinung nach bei Selbständigen erstmals valide nach ca. zwei Jahren Betriebsdauer zur Verfügung. Somit können zwar keine Existenzgründer, aber Gewerbetreibende ab zwei Jahren Geschäftstätigkeit bei smava einen Kredit aufnehmen, was im Vergleich zur Kreditvergabe der Banken ein großer Vorteil ist.

Können Privatleute, die über Smava Kredite verleihen mehr aus ihrem Geld machen, als wenn Sie es bei einer Bank anlegten?

Kommt darauf an, mit welchen Bankprodukten Sie die smava Geldanlage vergleichen. Stellen wir den Vergleich beispielsweise mit klassischen Anlageformen wie Sparbriefen, Festgeld, Sparkonten oder ähnlichem auf, dann können wir die Frage in den meisten Fällen klar mit „Ja“ beantworten. Die Renditeerwartung aller smava Anleger liegt seit dem Start im März 2007 im Mittel (Median) bei 9,4% pro Jahr.
Was aber ein ganz entscheidender Punkt ist: Bei der Beurteilung von Anlageklassen stellt nicht allein die effektive Rendite ein wichtiges Kriterium dar, sondern vor allem das Rendite-Risiko-Profil. In Bezug auf diese Größe schneidet smava im Vergleich zu vielen anderen Anlageklassen ganz klar besser ab.

Hat ein Portal wie dieses in der jetzigen Zeit die Möglichkeit zu bestehen, beziehungsweise zu wachsen? In einer Zeit, in der viel um eine Finanzkrise debattiert wird, und in der der Finanzsektor das „Unsicherheits“-Gespenst bekämpft wie Don Quichote die Windmühlen.

Im vierten Quartal 2008 konnten wir auf unserem Marktplatz eine deutliche Steigerung der Kreditnachfrage bei Selbständigen beobachten. Was auch plausibel ist. Denn Selbständige bekommen die im Zuge der Finanzkrise zunehmende Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe als erstes zu spüren. smava stellt hier eine gute Alternative dar. Auch bei den Anlegern lässt sich ein positiver Effekt der Finanzkrise auf unseren Marktplatz erkennen. Das Vertrauen in Banken sinkt, der Wunsch, selbst über seine Investments zu entscheiden, steigt. Im Ergebnis hat sich die Finanzkrise bisher also positiv auf unser Wachstum ausgewirkt und zu einem steigenden Kreditvolumen von insgesamt über 6,3 Mio. EUR bei smava geführt. Bei den Anlegern wird sich diese Wachstumsrate aus oben genannten Gründen wahrscheinlich auch so fortsetzen. Die Frage ist, wie stark die bevorstehende Konjunkturkrise die Kreditnachfrage bei Privatpersonen in Mitleidenschaft ziehen wird.

Zum Abschluss: Welches Ziel haben Sie sich mit Smava gesetzt, und wann wollen Sie so weit sein, es zu erreichen?

Unser Ziel ist es, Privatverbrauchern eine faire Alternative zu Banken zu bieten und uns dauerhaft als bester Online-Kreditmarktplatz am Markt zu etablieren – nachhaltige Profitabilität vorausgesetzt.

Geschrieben von:
Geschrieben am: 06.03.2009
Zuletzt aktualisiert: 13.01.2016
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