, den 16.04.2009 (Letztes Update: 23.09.2018)

Amerikas Psyche am Abgrund – Denim sei Dank

Denim
Denim, Bild: CC0

George F. Will ist Kolumnist für die Washington Post. In seinem neusten Pamphlet, Demon Denim (engl.), klagt er an. Eine Gruppe von Personen, die für ihn an allem Schuld zu sein scheinen sind die „Denim“ tragenden Teufel. 80% aller Computerspieler trügen Denim, so Will. Ihre Vorbilder seien Seinfeld, King of Queens und andere. Allen gemeinsam ist, dass sie die Schuld tragen am Durcheinander von Amerikas Psyche.

Will nimmt Anleihen in seiner Kolumne bei Daniel Ankst, der schon im März im Wall Street Journal auf die Symbolizität der Marke „Denim“ hinwies und sie gleichsetzte mit einem Verlust an Unterscheidungspotenzial. Menschen wollen authentisch wirken und obgleich Jeans gerade vorgeben es zu sein, sind sie alles andere als das.

Denim is the infantile uniform of a nation in which entertainment frequently features childlike adults (“Seinfeld,” “Two and a Half Men”) and cartoons for adults (“King of the Hill”). Seventy-five percent of American “gamers” — people who play video games — are older than 18 and nevertheless are allowed to vote.
George Will

Amerikas schlechter Geschmack

Will fand Anksts Standpunkt zu milde formuliert, wollte ihm aber zumindest einen Orden verleihen lassen, dafür, dass er Amerikas schlechten Geschmack entlarvt hatte und anprangerte.

Never has a single fabric done so little for so many. Denim is hot, uncomfortable and uniquely unsuited to people who spend most of their waking hours punching keys instead of cows. It looks bad on almost everyone who isn’t thin, yet has somehow made itself the unofficial uniform of the fattest people in the world.
Daniel Ankst

Die Jeans jedenfalls würde nichts mehr von dem Trotz an sich haften haben, den ein junger Marlon Brando ihr verlieh, als er sie trug. Wie süß – ein Sozialromantiker. Denim ist ein teuflisches Massenprodukt, so Will, und ein Ergebnis (oder der Grund?!) für die soziale und geistige Verwahrlosung Amerikas.

Geistiger Verfall

Ob es wirklich die Jeans ist, die Schuld trägt am geistigen Verfall Amerikas? Vielleicht können oder wollen Will und Ankst nur nicht verstehen, dass diese Undifferenziertheit in der Kleidung etwas ganz anderes anzeigt. Nämlich die Gemeinsamkeiten von Vielen in unserem Zeitalter. Die basisdemokratische Mitte ist größer geworden, auch auf die Gefahr hin, dass wir alle zusammen ein wenig an Wohlstand verloren haben.

Eine Jeans hätte Will dann aber doch im Schrank hängen, ein Mal getragen. Ein einziges Mal. Er musste, gibt er zu Protokoll. Denn die Jeans wurde als Kleiderordnung auf dem 70ten Geburtstag von Senator Jack Danforth verlangt. Jeder der dort draußen nun mit Jeans rumläuft und nicht merkt, wie er eigentlich die Bourgeoisie karikiert, der möge bitte in sich gehen und sich fragen, ob er es wirklich nötig hat. Amen.

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