CSS-Layouts: Buch nicht barrierefrei

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Das Buch „CSS-Layouts mit YAML“ aus der Reihe Galileo Computing gehört derzeit zu meiner Lektüre. Es ist sehr ergiebig. Doch zum einen hat das Buch von Dirk Jesse ein katastrophales Lektorat. Zum anderen hält es sich im Print nicht an die Regeln, die es für Webseiten propagiert.

Barrierefreiheit

Interessanterweise zeigt sich, dass Experten auf einem Gebiet eben nicht immer Experten in einem anderen sind. Es ist amüsant, wenn mir auf bisher über 300 Seiten an manchen Stellen gesagt wurde, ich möge auf die Barrierefreiheit achten, der Autor sich aber beim Verfassen des Buches an seine eigenen Weisheiten bezüglich des Baus von Webseiten nicht selbst gehalten hat.

Mir wurden Ratschläge an die Hand gegeben, wie ich dafür Sorge trage die Barrierefreiheit zu erreichen. Außerdem wurde ich darin unterrichtet, welche Dinge dazu führen können, dass eine Webseite z. B. im Druck oder auf mobilen und anderen Endgeräten nicht so angezeigt wird, wie sie soll und welch schwerwiegende Folgen das haben kann. Man solle Vorkehrungen treffen, rät Jesse, damit möglichst wenige Leser ausgeschlossen werden.

Farben vs. Schwarz-Weiß

Mir ist klar, dass viele Leute sich etwas unter dem Farbwort „Blau“ vorstellen können. Trotzdem ist es bezeichnend, dass in einem Buch, das ausschließlich monochrome Grafiken und schwarz-weiße Abbildungen verwendet, in der Beschreibung derselben nur von bunten Farben die Rede ist. Tatsache ist, dass ich schon andere Bücher gelesen habe, in denen der Autor die Leser immerhin darauf hingewiesen hat, dass die Grafiken im Buch, wegen des Drucks von ihrem eigentlichen Erscheinungsbild abweichen können.

Aus der Perspektive der Textverständnisforschung würde man dazu sagen, dass der Autor den Leser unnötigerweise einem „Inferenzprozess“ aussetzt. Der Leser muss also auf Vorwissen zurückgreifen, das sich nur schwer mit dem Gezeigten oder Geschriebenen in Einklang bringen lässt.

Ich bin mir sicher, dass der Autor sich sogar selbst vor die Stirn schlagen würde, und darin einen Fall erkennt, der das Thema Barrierefreiheit nur eben in einem anderen Medium, dem des Buches berührt.

Nutzer werden fehlgeleitet

In jedem Fall ist eine Anweisung wie die folgende nicht verständlich genug formuliert:

„Im rechten Teil ist außerdem zu erkennen, dass bei den Eckgrafiken der Vordergrund, das blaue Quadrat, transparent gestaltet wird.“
Dirk Jesse

Es gibt nämlich kein blaues Quadrat. Auf S. 330 heißt es in einer Abbildung außerdem, es seien „umlaufende grafische Schatten“ zu sehen. Die kann man nur unter bester Beleuchtung erkennen, wenn man ein dunkles Grau von einem noch dunkleren Grau unterscheiden möchte. Finden sich Leser in der Zielgruppe, die über eine angeborene Farb-Fehlsichtigkeit verfügen, wird es je nach Kontrast sogar unmöglich das Geschrieben wahrzunehmen. Ein Mehrfarben-Druck hätte Vieles einfacher gemacht. Oder aber man hätte schon im ursprünglichen Beispiel schauen müssen, ob der Effekt beim S/W-Druck tatsächlich erhalten bliebe und ansonsten eine andere Grafik zur Verdeutlichung eingesetzt.

Es gibt aber viele Bücher, in denen sich solche Stolperfallen finden, auch in ganz anderen Bereichen als der IT oder EDV.

In jedem Fall zeigt sich, dass Lektorat nicht nur auf Rechtschreibung und Inhalt gucken muss, sondern den Kontext viel weiter fassen muss, wenn am Ende ein gutes Buch dabei herauskommen soll.

Geschrieben von:
Geschrieben am: 30.04.2009
Zuletzt aktualisiert: 29.01.2016
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