Ehemalige Heimkinder planen Demo: “Zeit des Stillhaltens vorbei”

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  1. April: Der vom Bundestag eingesetzte Runde Tisch trifft sich zur siebten Sitzung, 21 Vertreter der Bundesländer, Kirchen, Sozialeinrichtungen und ehemalige Heimkinder beschäftigen sich erneut mit der Heimerziehung in den 50er, 60er und 70er Jahren.

Den Vorsitz führt Antje Vollmer, Politikerin der Grünen und von 1994 bis 2005 Bundestagsvizepräsidentin. Ende 2009 hat die 66-Jährige Zwischenbilanz gezogen. Sie lobte das „Wir-Gefühl“ am Runden Tisch, alle seien „wie auf Zehenspitzen“ in die Gespräche gegangen.

Das änderte sich vorübergehend, als der Verein ehemaliger Heimkinder im Frühjahr vorigen Jahres seine Führung komplett auswechselte, Anwälte forderten einen Entschädigungsfonds in Höhe von 25 Milliarden Euro. Antje Vollmer aber ließ die neuen Vertreter der Heimkinder nicht zu. Auch die Anwälte durften am Runden Tisch nicht Platz nehmen.

Neue Proteste mehren sich

„Die Zeit des Stillhaltens ist vorbei“, heißt es jetzt in einer Demo-Ankündigung, die vom Verein ehemaliger Heimkinder unterstützt wird. Deshalb werde man am 15. April auf die Berliner Straßen gehen: „Wir lassen uns nicht länger veralbern.“ Gefordert werden sollen bei dieser Demonstration Entschuldigungen, Entschädigungen, Schmerzensgeld, auch die Kosten für medizinische und psychologische Behandlungen sollen übernommen werden.

Der evangelischen und der katholischen Kirche, staatlichen Trägern von Kinderheimen und den Aufsichtsbehörden werden in dieser Pressemitteilung schwere Vorwürfe gemacht: „Wir klagen an, weil wir geschlagen wurden, weil wir zwangsgefüttert wurden, weil wir sexuell missbraucht wurden, weil wir gefoltert wurden.“ Heimkinder seien in den 50er, 60er und 70er Jahren in dunklen Kellern eingesperrt worden.

Forscher der Ruhr-Universität schätzen die Zahl der Betroffenen auf 500.000. Nicht alle ziehen am gleichen Strang. Viele ehemalige Heimkinder wollen mit ihrer Vergangenheit nicht mehr konfrontiert werden, sie sagen: „Was man uns angetan hat, kann niemand wieder gut machen.“ Andere meinen, dass der Runde Tisch zu langsam arbeite.

Dagegen wehrt sich Antje Vollmer Sorgfalt gehe vor Schnelligkeit. Ein Jahr dauert inzwischen die Aufarbeitung, immer mehr tritt zutage. Heimkinder, die über Misshandlungen, Missbrauch und Demütigungen auch noch in den 80er Jahren berichten, kommen gar nicht zu Wort. Das gehöre nicht zum Auftrag des Runden Tisches, sagt Antje Vollmer, außerdem habe man schon jetzt die Grenze der Belastbarkeit erreicht.

Geschrieben von: Heinz-Peter Tjaden
Geschrieben am: 10.01.2010
Zuletzt aktualisiert: 20.01.2016
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