, den 16.04.2012 (Letztes Update: 13.01.2016)

Emden trauerte um Lena, entschuldigt sich wegen Lynchjustiz

Rathaus Emden
Rathaus Emden, Foto: Markus Bernet via Wikimedia (CC BY-SA 2.5).

Am Freitagabend waren im ostfriesischen Emden rund 2.500 Menschen zusammengekommen, um nicht nur ihre Anteilnahme am Tod der 11-jährigen Lena kundzutun, sondern auch die öffentliche Vorverurteilung eines damals 17-jährigen im Internet anzuprangern respektive sich für diese zu entschuldigen. Der Oberbürgermeister der Stadt, Bernd Bornemann, „schämt sich“ für das, was im Zuge der Mordermittlungen geschehen ist.

„Wir müssen Abschied nehmen von der Illusion einer heilen unbeschwerten Stadt.“
Bernd Bornemann

Falsche Person in U-Haft

Ende März ist die 11-jährige Lena in einem Parkhaus in Emden vergewaltigt, und getötet worden. Ein damals 17-jähriger wurde zu Unrecht verdächtigt, wie sich später herausgestellt hat. Erst drei Tage später konnte mittles DNA-Test nachgewiesen werden, dass nicht er, sondern ein 18-jähriger die Tat verübt hatte. Genug Zeit, um Foto, Namen und Adresse des vermeintlichen Täters im Sozialen Netzwerk Facebook zu verbreiten – zusammen mit dem Aufruf zur Lynchjustiz. Während der vermeintliche Täter unschuldig in Untersuchungshaft saß, sollen bis zu 50 Menschen vor dem Gefängnis seine Herausgabe gefordert haben.

Dass das Verhältnisse wie im Mittelalter zur Zeit der Hexenverbrennungen sind, verrät das Kirchenmitglied nicht.

Mittlerweile hat ein 18-jähriger die Tat gestanden. Die Staatsanwaltschaft Aurich hat Ermittlungen gegen einen ebenfalls 18-jährigen aufgenommen, der das Foto des zu unrecht Beschuldigten samt Namen, Adressen und Aufforderungen zur Selbstjustiz ins Netz gestellt hatte. Er wolle sich persönlich beim Opfer entschuldigen, heißt es.

Emden nimmt Anteil

Mit dem Treffen vor dem Rathaus der Stadt wollten die Anwesenden nicht nur der toten Lena gedenken, sondern ferner unterstreichen, dass die Stadt Emden nicht von Vorverurteilung und Selbstjustiz geprägt ist, sondern vielmehr von Anteilnahme und Solidarität. Der zu Unrecht beschuldigte Jugendliche soll ebenfalls an der Veranstaltung teilgenommen haben.

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