Schufa: Minister kritisieren Datensammlung auf Facebook und Twitter

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Schufa Eingangsbereich Wiesbaden-Schierstein

Die Schufa möchte Daten aus Social-Media-Kanälen wie Facebook und Twitter dazu nutzen, die Kreditwürdigkeit einer Person besser einzuschätzen. Dies stößt bei Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) auf keine Gegenliebe.

Schufa will Daten sammeln

Die Daten von Twitter- und Facebook-Nutzern sollen von der Schufa gesammelt werden und unter anderem zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit der Betroffenen eingesetzt werden. Außerdem möchte man über die Auswertung der Einträge Rückschlüsse auf die Zahlungsmoral der Nutzer ziehen.

Gegenüber dem Spiegel äußert Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger nun Bedenken, Facebook- und Twitter-Nutzer zu durchleuchten.

“Es darf nicht sein, dass Facebook-Freunde und Vorlieben dazu führen, dass man zum Beispiel keinen Handy-Vertrag abschließen kann.”
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Pläne offenlegen

Die Justizministerin verlangt, dass die Wirtschaftsauskunftei Schufa ihre Pläne komplett offenlegt und die Kriterien zur Einstufung der Zahlungsfähigkeit vollständig dargelegt werden.

“Die Schufa und andere Auskunfteien sollten umfassend ihre Vorhaben, die Facebook-Daten zur Bonitätsprüfung zu benutzen, offenlegen. Welche Daten dazu führen, ob jemand als zahlungsfähig eingestuft wird, ist jetzt schon umstritten. Die Einstufung der sogenannten Zahlungsfähigkeit muss endlich vollständig nachvollziehbar werden.”
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle schließt sich der Meinung der Justizministerin an, dass das Schufa-Vorhaben zu weit geht. Freundeskreis und Privatsphäre von Facebook-Nutzern dürften nicht von anderen missbraucht werden. Der Plan der Auskunftei zeige deutlich, wie wichtig es sei, sorgsam mit seinen Daten umzugehen.

“Die Pläne der Schufa gehen zu weit. Soziale Netzwerke gehören wie der Freundeskreis zur Privatsphäre und dürfen daher nicht von der Schufa angezapft werden.”
Rainer Brüderle

Big-Brother-Gehabe kritisiert

Verbraucherministerin Ilse Aigner verlangt von der Schufa, sämtliche Details des Forschungsvorhabens offenzulegen. Die Auskunftei dürfe nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden.

“Die Schufa muss die Karten auf den Tisch legen. Ich erwarte vollständige Aufklärung über die Hintergründe und Ziele dieses Forschungsauftrags. Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden.”
Ilse Aigner

Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, fordert vorsorglich die Einhaltung bestehender (Datenschutz-)Gesetze. Er warnt, sorglos mit seinen persönlichen Daten umzugehen, da diese missbraucht werden könnten.

Konstantin von Notz (Grüne) sieht den Schufa-Plan gar als verfassungswidrig an. Er fordert die Schufa und das gemeinsam forschende Plattner-Institut dazu auf, das Vorhaben sofort einzustellen.

“Wir fordern sowohl die Schufa als auch das Plattner-Institut auf, das Projekt sofort einzustellen. [Die Pläne der Schufa gleichen] unternehmerische Kaffeesatzleserei mit unabsehbaren Folgen.”
Konstantin von Notz

Blogger mit Galgenhumor

Medien-Anwalt Udo Vetter twittert, dass seine Einkommensteuervorauszahlung pünktlich überwiesen worden sei. Er nimmt an der Diskussion mit dem Hashtag #Schufa-Schleimtweet teil. Der Hashtag #Schufa war heute Mittag sehr weit oben im Trend-Ranking Twitters zu finden.

Bei der Postillon hat man sich Gedanken darüber gemacht, welchen Einfluss Angaben zu Hobbies bei Facebook, oder beispielsweise das Vorhandensein eines Premium-Accounts bei Xing, auf den “Basisscore” von Person X haben könnten.

Kristian Köhntopp sieht der Schufa die Fälle davon schwimmen, sollte das Vorhaben gelingen. Es ginge dabei gar nicht um die Schufa. Denn die Analyse von öffentlich verfügbaren Daten könne man heutzutage schon mit Mobiltelefonen und Internetanschluss selbst erledigen.
Ganz anderer Meinung ist Thomas Stadler, der die bisherigen, nicht öffentlichen Daten der Schufa als ihren größten Schatz interpretiert. Mit den aus Sozialen Netzwerken hinzugewonnenen Daten würde die Schufa ihren kostbaren Datenbestand nur erweitern, sich selbst aber nicht abschaffen.

NDR boulevardesk

Ursprung des Themas war ein Beitrag des NDR. Diesen kritisiert Thomas Knüwer scharf. Er wirft dem NDR vor, geil auf eine Exklusivmeldung gewesen zu sein. Es stünde noch gar nicht fest, ob die Schufa die Daten überhaupt nutzt. Ziel des Forschungsprojekts mit der Universität Potsdam sei herauszufinden, ob sich Daten sinnvoll in diesem Kontext nutzen lassen. Vielleicht stelle sich am Ende heraus, dass die Schufa die Daten nicht nutzen kann.

Knüwer regt eine Diskussion an: Es sei nötig, zu entscheiden, welche von unseren öffentlich zugänglichen Daten von wem, zu welchem Zweck verwendet werden dürfen.

Schufa-Bait?

Schon jetzt gibt es Felder wie die Suchmaschinen-Optimierung (SEO) und das Marketing in “Sozialen Medien” (SEM). Für die Forschungsmafia ist deshalb klar, dass zukünftig Inhalte in Sozialen Netzwerken für die Schufa optimiert würden, um der virtuellen Identität ein kreditwürdiges Äußeres zu verpassen.
Hadmut Danisch erkennt darüber hinaus aber eine Gefahr für die Meinungsfreiheit. Sollte die Schufa ein tragfähiges Konzept mit der Universität Potsdam entwerfen, könnte das am Ende zu einer Anonymisierung von Meinung im Netz führen. Personen würden nur noch unter Synonymen ihre Meinung äußern wollen, weil das einmal Geschriebene ihnen bis ans Lebensende negativ anhängt. Das ist allerdings keine neue Erkenntnis. Schon jetzt durchforsten Personaldienstleister das Internet nach Informationen, ehe sie eine Person einstellen. Der Generation StudiVZ scheint das egal.

Geschrieben von:
Geschrieben am: 07.06.2012
Zuletzt aktualisiert: 22.04.2016
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