, den 12.06.2012 (Letztes Update: 24.08.2018)

iOS 6 mit Facebook-Integration, Siri-Update, Navigation und mehr

iOS-6-Banderole im Moscone Center, das für die WWDC 2012 fitgemacht wird, Foto: James Martin, CNET
iOS-6-Banderole im Moscone Center, das für die WWDC 2012 fitgemacht wird, Foto: James Martin, CNET

iOS 6 von Apple präsentiert. Apple stellte im Rahmen der Worldwide Developers Conference (WWDC) sein neues Betriebssystem für Smartphone und Tablets vor. Scott Forstall machte den Anwesenden die neuen Funktionen im kommenden iOS schmackhaft. Zu den größten Veränderungen zählt eine eigene Facebook-App und die Zug-um-Zug-Navigation, die die neue Apple-eigene Karten-App bietet.

iOS besser verbreitet als Android

Forstall betonte zu Beginn, dass Apple bis Ende März 2012 über 365 Millionen iOS-Geräte verkaufte. Rund 80 Prozent der Besitzer aller iOS-Geräte benutzen das neuste Betriebssystem iOS 5. Entwickler können sich so besser darauf konzentrieren, Apps zu entwickeln, statt hardwarespezifische Unterschiede zu beachten.

Die Situation beim Konkurrenten Android ist unglaublich viel diverser. Das neue Android 4.0 IceCream Sandwich wurde ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlicht wie Apples iOS 5. Während Apples mobiles Betriebssystem nun auf vier Fünftel aller 365 Millionen Geräte installiert ist, findet man aktuell Android 4.0 lediglich auf gut 7 Prozent aller Android-Geräte.

Siri

Wie schon beim kommenden OS X Mountain Lion, wird es in iOS 6 auch mehr als 200 neue Features geben, von denen Forstall die wichtigsten anspricht, zuvorderst Siri.

Apples Sprachsteuerung bekommt mit iOS 6 ein Update. Einerseits wird die Funktionalität dann auch auf dem Retina-iPad verfügbar sein, andererseits hat man die Inhalte, die Siri versteht, erweitert. Von den nachfolgend beschriebenen Funktionen werden zunächst alle nur in den USA funktionieren. Welche davon auch in Europa oder speziell im deutschsprachigen Raum verfügbar sein werden, bleibt abzuwarten. Neu in iOS 6 wird die Möglichkeit sein, Siri nach Sportergebnissen im Baseball auszuhorchen, sich über die Liga-Ergebnisse zu informieren und Spieler-Profile abzurufen. Siri kennt sich neben Baseball mit Basketball und American Football aus. Aber auch Fußball, sogar die deutsche Bundesliga soll unterstützt werden. Das erzählte Forstall nicht explizit, konnte man aber auf einer eingeblendeten Grafik im Hintergrund der Bühne erkennen.

Daneben kann man sich außerdem in iOS 6 mit Siri noch spezifischer über Restaurants informieren. Es gibt Karten und Reviews zu Restaurants über die Yelp-Datenbank, und mit Open Table lassen sich Reservierungen vornehmen. Mit Kinos kennt sich Siri ebenfalls aus. Man kann sich die Trailer direkt anschauen und Reviews der Plattform „Rotten Tomatoes“ durchsehen. Siri kann neuerdings aber auch Programme starten.

Autohersteller haben Apple bereits zugesagt, sprachgesteuerte Navigation via Siri zu unterstützen. Siri unterstützt außerdem nun mehr Sprachen als jemals zuvor. Unterstützt werden neben Englisch auch Deutsch, Französisch und Japanisch. Neu hinzugekommen sind die Sprachen Mandarin, Koreanisch, Italienisch, Spanisch und Kantonesisch.

Facebook

In den Einstellungen kann man seinen Facebook-Account authentifizieren und von da an iOS-weit mit Facebook interagieren, Fotos verschicken, und so fort. Man kann mittels Diktat Nachrichten aufsagen, und es gibt ein API, mit dem Entwickler die Facebook-Integration in ihre Apps einbauen werden können. Es gibt aber auch eine Facebook-Integration in den App Stores. Zukünftig wird man dort sehen können, welche der eigenen Freunde welche App gerade gut finden, oder welchen Song oder welches Buch. Die Implementierung von Facebook reicht sogar hinein ins „Notification Center“, betrifft aber gleichzeitig die Kontakte und den Kalender. Geburtstage von Freunden in Facebook werden automatisch im Apple-Kalender eingetragen, mit den Kontakten verhält es sich genauso.

Anrufverhalten

Bislang konnte man eingehende Anrufe nur direkt beantworten oder sie wegdrücken. Mithilfe von iOS 6 wird man zukünftig eingehende Anrufe in Form einer Message beantworten können. Apple stellt einige kurze Text-Nachrichten bereit, die man mittels Tippen auf einen Button direkt an den Anrufer schicken kann. Wenn Antworten wie „Ich bin auf dem Weg.“ oder „Ich ruf dich später zurück.“ nicht ausreichen sollten, kann man eine eigene Nachricht verfassen.

Alternativ kann man sich zu einem späteren Zeitpunkt an den Anruf erinnern lassen. Auch an dieser Stelle wird man einige Auswahlmöglichkeiten haben. Eine davon ist, sich in einer Stunde nochmal erinnern zu lassen. Die übrigen sind ortsbasierte Erinnerungen wie beispielsweise „wenn ich nach Hause komme“ oder „wenn ich aufbreche“ (im Orig. „when I leave“). Scott Forstall erklärte, dass im Fall, dass der Nutzer sich für diese Wahl entscheidet, das iPhone eine Art virtuelle Zone in einem Radius um den Nutzer herum erzeugt. Angenommen man stecke in einem Meeting und verlässt später den Konferenzraum, würde das iPhone einen dann an den Rückruf erinnern.

Weiterhin wird iOS 6 einen „Bitte nicht stören“-Modus erhalten. Schaltet man diesen ein, wird man nicht in misslichen Situationen gestört oder mitten in der Nacht durch Text-Nachrichten oder Benachrichtigungen und Anrufe aus Versehen geweckt werden. Man kann allerdings Ausnahmen erstellen, und zum Beispiel Gruppen einrichten, von Leuten, die einen in jedem Fall erreichen können sollen.

FaceTime

Die App für Videokonferenzen funktionierte bislang nur über WiFi-Verbindungen. In Zukunft wird man auch über das mobile Netzwerk Videoanrufe führen können. Darüber hinaus werden die eigene ID und Telefonnummer virtuell miteinander verschmolzen. Sowohl FaceTime als auch iMessage – ganz gleich ob auf iPhone, iPad oder Mac – machen in Zukunft keinen Unterschied mehr zwischen diesen beiden Adressierungsoptionen, sodass man Nutzer selbst dann per Videotelefonie anrufen kann, oder ihnen eine Message schicken, wenn man ihre Nummer nicht kennt oder ihre ID, und jeweils umgekehrt.

Mobile Safari

Der mobile Browser bekommt mit Apples iOS 6 ein Update, er bekommt die vom Desktop bekannten iCloud Tabs. Das sind live synchronisierte Tabs aus den Browsern, die man auf allen seinen iOS- oder OS-X-Devices zur Zeit geöffnet hat.

Sinnvoll ist in jedem Fall die „Offline-Leseliste“, die der mobile Safari in iOS 6 spendiert bekommt, die aber zugleich der Safari 6 in Mac OS X 10.8 erhalten wird. Wenn man über Inhalte stolpert, gerade aber keine Zeit hat, sie zu lesen, kann man sie fortan in die Offline-Leseliste packen und der Browser lädt die Webseiten im Hintergrund auf das eigene Smartphone oder Tablet herunter, sodass man sie selbst dann wird lesen können, wenn man irgendwo kein Internet mehr haben sollte. Für Zugfahrten oder Flugzeugreisen keine allzu schlechte Option.

Ebenfalls interessant ist das Feature, aus Mobile Safari heraus Fotos auf Webseiten hochladen zu können. Dazu können die Bilder aus den eigenen Alben oder dem „Photo Stream“ verwendet werden.

Apple führt in Mobile Safari zudem Smart App-Banner ein. Sollte ein Nutzer mal eine Webseite zu einem Service aufrufen, zu dem es eine App gibt, wird ihm das angezeigt. Er hat dann die Möglichkeit, die App im App Store herunterzuladen. Besitzt er eventuell die App schon, dann wird ihm die Chance geboten, die App direkt aus dem Browser heraus zu öffnen, und Browser und App können miteinander kommunizieren, sodass der Nutzer in der App genau an der Stelle mit seinen Aktivitäten fortfahren kann, an der er zuvor im Browser aufgehört hatte. Er muss also z. B. eine Suche nicht noch ein zweites Mal neu eintippen.

Photo Stream und VIP Mailbox

Man wird zukünftig seine Photo Streams mit anderen teilen können. Die Fotos, die man mit anderen teilen möchte, wird man auswählen dürfen. Dann sucht man sich die Freunde aus dem Adressbuch aus, mit denen man die Fotos teilen möchte. iOS erstellt dann ein Album, das man online mit den Freunden gemeinsam ansehen und kommentieren kann. Das Anschauen der Shared Streams funktioniert ebenso über Apple TV.

Neben den beschriebenen Funktionen bietet das neue mobile Betriebssystem beispielsweise eine VIP-Mailbox. Dadurch wird eine Selektion besonders als wichtig erachteter Mails möglich. Zudem soll man für individuelle Mail-Accounts nun separate Signaturen einrichten können.

Ausweis vergessen? Dank Passbook kein Problem

Über Passbook lassen sich Ausweise und andere Dokumente für den Notfall in die iCloud schicken, um beispielsweise bei einem Diebstahl im Ausland dann aufgerufen zu werden, um sich somit hilfsweise ausweisen zu können. Diesen Zusatznutzen bekommen vermutlich vor allem Nutzer in den USA zu spüren. Als Beispiele nannte das Unternehmen nämlich Bordkarten von United Airlines oder Kundenkarten von „Coffee Shops“, mit denen man seinen Kaffee bezahlen kann. Gleiches gilt für Kino-Karten, Coupons und viele andere. Alle Tickets erscheinen im Lock-Screen, wenn man z. B. an den Flughafen kommt, oder in das Starbucks-Kaffee.

Guided Access in der Schule

iOS 6 von Apple bietet mehr Möglichkeiten, Apps für spezielle Anwendungsfälle einzurichten. Eltern können beispielsweise über das bloße Einkreisen von Bildschirmelementen entscheiden, welche Buttons ihre Kinder nutzen dürfen oder nicht.

Insbesondere aber für den Schulunterricht bietet iOS 6 mit der neuen Funktion „Guided Access“ die Möglichkeit, bestimmte Hardwarefunktionen zu deaktivieren. So sind beispielsweise nur prüfungsrelevante Elemente im Endgerät aktiviert. Gleichfalls lässt sich diese Funktion auch für Menschen mit Handicap zum konzentrierten Einüben ganz bestimmter Fähigkeiten nutzen.

Maps

Scott Forstall stellte zudem eine neue Karten-App vor. Dies war im Vorfeld durchaus erwartet worden. Schon auf der D10-Konferenz hatte Tim Cook Andeutungen gemacht, dass man sich bezüglich der Abhängigkeit von Google lösen müsste. Nicht umsonst hatte Apple vor einiger Zeit mehrere Firmen aufgekauft, darunter beispielsweise C3 Technologies, deren Know-how Apple dabei behilflich sein sollte, seine eigene Karten-Applikation anzubieten.

Man habe das Karten-Material selbst angefertigt, betonte Forstall und eine lokale Suche integriert nach Geschäften, Hotels, etc., sogenannten Points of Interest. Außerdem hat man einen Stau-Service integriert und befeuert diese Infos mit aktuellen Daten, die man anonym von allen iOS-Nutzern zur Verfügung gestellt bekommt. Wie das genau funktionieren wird, verriet Forstall nicht, werden wir in den kommenden Wochen bis zur Veröffentlichung aber sich in Erfahrung bringen. Weiterhin ist nun eine Turn-by-Turn-Navigation integriert. Anbieter von Navigationssystemen haben spätestens seit Googles Weg Richtung Zug-um-Zug-Navigation, aber nun noch einmal deutlichere Konkurrenz bekommen. Glück für TomTom aus den Niederlanden ist, dass Apple zumindest bislang noch auf Daten des Herstellers zurückgreift, wie Screenshots der Karten-App zeigen.

Siri wurde außerdem zur Unterstützung der Maps-Applikation eingebunden. Man kann über die Sprachsteuerung eine Route auswählen. Quengelnde Kinder oder Beifahrer können sich erkundigen, ob man schon am Ziel angekommen ist. Sollten die Stau-Daten die Ankunftszeit mal verlängern, versucht die Maps-App eine schnellere Route zu berechnen, die man bei Bedarf dann auswählen kann. Auch wird man Siri auf dem Weg fragen können, ob es unterwegs eine Tankstelle oder dergleichen gibt und Siri zeigt einem dann die nächstliegenden Tankstellen an, von denen man sich eine aussuchen kann, die die Navigation dann anfährt. 3D-Modelle von Ballungszentren gibt es ebenfalls, die man zudem samt Textur in einem Modus namens Flyover genießen kann.

Kein iPad

Die Beta-Version wurde bereits gestern an die Entwickler ausgeliefert. Der Release soll dann im Herbst erfolgen. Möglicherweise schon ein Hinweis auf eine Veröffentlichung eines neuen iPhone 5 im Herbst. Doch davon abgesehen gibt es nicht auf jeder Plattform das kommende iOS 6. Auch darüber hatten wir im Vorfeld berichtet. So werden nur das iPhone 3GS und neuer, das iPad 2ter und 3ter Generation (Retina) und der iPod touch der 4ten Generation in den Genuss des neuen iOS 6 kommen.

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