Iro Kaese, den 24.02.2013 (Letztes Update: 24.02.2013)

Phoenix Bericht: „Apple Stories“ – Das war wohl nichts

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Apple Hamburg

Nun hat auch Phoenix über den Giganten Apple berichtet. In der Hoffnung, nicht so etwas wie von der ARD geliefert zu bekommen, habe ich mich vor den Fernseher gesetzt um mir den Film „Apple Stories“ anzusehen. Oder wie Phoenix ihn eher hätte nennen sollen „Zinnaubbau – Die Reportage hinter den Kulissen„. Darum ging es nämlich 80 Prozent der Zeit. Aber Hauptsache mal „Apple“ in den Titel geschrieben, damit ein paar mehr Leute zuschauen. Das Resultat blieb trotzdem das gleiche: Eine weitere langweilige Phoenix Reportage.

Musische Gestaltung

Um den ersten Langeweile-Faktor vorwegzunehmen muss man nur die Augen schließen und die Musik anhören. Die Augen werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wieder öffnen, da man eingeschlafen ist.

Phoenix steht offensichtlich nur ein Song für Reportagen zur Verfügung. Ein Mix aus verschiedenen Dissonanzen und langgezogenen Tönen, im Zusammenspiel mit Bildern von (aufgrund des Kamerateams) verwirrten Afrikanern, sollte für eine „traurige“ Stimmung sorgen, die der Zuschauer dann in Verbindung mit Apple bringen soll. Dieses komatöse Geflubber zieht sich über die gesamte Länge des Films – auf Dauer echt einschläfernd.

Die Story

Den Film „Apple Stories“ zu nennen war wohl ironisch gemeint. Denn der Film hat weder über Apple berichtet, noch etwas gehabt, was sich „Story“ nennen dürfte. Der Regisseur hat offensichtlich versucht die Arbeit bei Apple aus verschiedenen Blickrichtungen darzustellen, verschiedene Personen zu begleiten und deren Arbeitsalltag zu zeigen. Doch an viel Material scheint Phoenix nicht gekommen zu sein, weswegen das Konzept etwas umgestellt werden musste: Es waren Aufnahmen von Apple-unabhängigen Handy-Raparateuren, Bergarbeitern aus Ruanda und Foxconn von außen zu sehen. Da war dann Schluss für Phoenix. Das ging sogar so weit, dass im Film über schlechte Arbeitsbedingungen beim einem chinesischem iPhone-Fake-Hersteller geklagt wurde.

Ist es Apples Aufgabe zu kontrollieren, ob die Arbeiter, einer afrikanischen Zuliefer-Firma für Zinn, der über viele Umwege in ein iPhone gelangt, Helme tragen? Ich denke nicht. Ob sie (Zitat) „Flip Flops, statt Arbeitsschuhen“ tragen? Ebenso wenig! Phoenix hat sich jedoch regelrecht festgefahren, beim Zinnabbau in Ruanda. Mehrmals wurde erwähnt, wie oft die Arbeiter sich umstellen mussten, weil die Besitzer der Mine erst Belgier, dann Franzosen und schließlich Deutsche waren. Außerdem war mehrmals die Rede vom Völkermord 1994. Toll, und weiter? Was hat das alles mit Apple zu tun? Zu dieser Zeit hatte Apple gerade einmal den Macintosh Performa vorgestellt und ganz bestimmt nichts mit irgendwelchen Völkermorden am Hut. Phoenix ist das aber egal. Das Wort „Völkermord“ passt ja so schön, wenn man über eine Firma negativ berichten möchte, ganz gleich ob es etwas mit der Sache zu tun hat. Da sagt man es doch gleich mehrmals im Abstand von etwa 15 Minuten.

Dann schweifte der Film für 10 Minuten zum Mineralien-Schmuggel ab. Der Minenbesitzer beklagte sich, dass es in Afrika sehr viel Schmuggel von Zinn und Wolfram gebe, was er dagegen unternehme usw. Die Minenbesitzer heuern meistens private, bewaffnete Sicherheitsteams an, die die Mineralien beschützen. Das ist natürlich auch extrem wichtig zu wissen, wenn man über Apple berichtet.

Auch von den Übersetzungskünsten kann man nur beeindruckt sein. Als Phoenix einen solchen Minenbesitzer interviewt und nach den Sicherheitsleuten fragt, antwortet dieser auf Englisch (Zitat, Minute 46): „Private Companies use private companies to look after their essence„. Sehr frei übersetzt hieß das bei Phoenix in etwa: „Minengesellschaften benutzen private Wachdienste um ihre Mine zu beschützen„. So klingt es etwas dramatischer, auch wenn es garnichts mit Apple zu tun hat.

Dann ging es nach China – Foxconn war an der Reihe. Es wurde sich über die schlechten Arbeitsbedingungen und Selbstmorde der Angestellten beklagt. Bekam man davon eine einzige Aufnahme zu sehen, die das bestätigt? Nein. Ich bezweifle nicht, dass es Rückstände bei der Arbeitssicherheit, den niedrigen Löhnen etc. gibt und gab. Aber es ist nicht Apples Schuld! Sich verantwortlich fühlen, Foxconn gefördert zu haben, das ist o.k. Daraus hat Apple auch Konsequenzen gezogen (was für Phoenix offensichtlich uninteressant war) und Foxconn Druck gemacht. Schuld am Dilemma ist aber der niedrige Lohn in China und die Methoden der Zulieferer selbst, nicht Apple.

Um den Flickenteppich „perfekt“ zu machen, fügte Phoenix (zwischen viel Bla Bla, Handydoktoren und ruandischem Zinn) ein paar negativ-Aspekte ein: Apple sei eine schlechte Firma, weil es keine Ersatzteile zu kaufen gibt, iPhone-Akkus würden ab und zu am Ohr explodieren und die Genius-Bar-Mitarbeiter wüssten gar nicht, wie man die Geräte richtig repariert. Von explodierten iPhones gab es ebenfalls keine Bilder und den Einzelfällen, bei denen das wirklich passiert ist, ist mit aller Wahrscheinlichkeit eine falsche Benutzung vorzuwerfen. Mit fundiertem Journalismus, der seine Kritik an Beispielen und Bildern festmachen kann, hatte das wenig zu tun.

Aktualität

Als das Kamerateam den Minenbesitzer interwiewte, war die Rede vom ersten iPhone und „dem neuen“. Daraus lässt sich schließen, dass es das iPhone 3G (also das 2. iPhone) war, welches seit Juli 2008 erhältlich ist. Auch sonst waren entweder 3G oder 3GS (2009) iPhones zu sehen, die im verwendeten Filmmaterial ebenfalls als neu bezeichnet wurden. Vereinzelt tauchte auch mal ein iPhone 4 auf, wenn Phoenix nicht gerade in Ruanda oder bei Foxconn war. Das klingt ja nach totaler Aktualität.

Ich frage mich ernsthaft, ob die Cutter des Films satte 2 Jahre für diesen, eher schlecht zusammengeschusterten, Film gebraucht haben. Mit dem entsprechenden Filmmaterial bekommt das jeder Hobby-Cutter in wenigen Stunden hin. Nun gut, das iPhone 5 kam auch einmal vor, allerdings nur, um ein bisschen Aktualität zu heucheln. Phoenix blendete einen 3-minütigen Abschnitt ein, der Apple-Fans zeigte, die auf ihr iPhone 5 warteten. Den Rest des Films waren die iPhone 3Gs immer das neueste Modell. Schade nur, dass Phoenix kein Wort über Apples jüngste Bemühungen für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen verloren hat. Besonders im Hinblick auf Foxconns Kinderarbeit-Skandal, der natürlich für alle belieferten Firmen (Apple, Sony, Microcoft…) ein Problem war. Um es nochmal für Phoenix klar zu stellen: Apple ist nicht Foxconn! und Zinnabbau in Ruanda, aus dem Jahre 2008, sollte nicht der Hauptinhalt einer Apple-Reportage sein!

Fazit

Phoenix ist wahrscheinlich nicht an gescheites Filmaterial gekommen. So wurde der Film ein wildes Gemisch aus Interviews der sogenannten „Handydoktoren“, dem Zinnaubau in Ruanda, der in soviel mit Apple zu tun hat, wie Berlusconi mit guter Politik und vereinzelt eingeworfenen Kommentaren über die schlechten Arbeitsbedingungen bei Foxconn, im Jahr 2008. Zu Letzterem hatte Phoenix aber genau so wenige Aufnahmen wie zu allem anderen, was behauptet wurde. Auf die Idee, vielleicht das über 3 Jahre alte Filmmaterial mit Jahreszahlen zu kennzeichnen, ist Phoenix offenbar nicht gekommen. Hauptsache eine Uhr links oben im Eck, mehr Angaben braucht der Zuschauer ja nicht, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen.

Wenigstens war der Film nicht so stark mit Halb- und Unwahrheiten gespickt, wie der Bericht der ARD, weswegen mich das Ganze auch nicht verärgert sondern eher müde gemacht hat. Aber ich bitte die Phoenix Redaktion doch bitte, mir meine eineinhalb Stunden verschwendete Lebenszeit wiederzugeben.

Infografik zum TV-Thema: Foxconn - Apple Stories auf Phoenix
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