Von der Leyen schreibt ab, wie es im akademischen Feld Usus ist

Ursula von der Leyen
Ursula von der Leyen, Foto: Heinz-Peter Tjaden

Usus ist – anders als für RTL-2-Zuschauer – kein hochprozentiger Schnaps, sondern die Bezeichnung für eine Gewohnheit, für Etwas, das Alle tun. Ursula von der Leyen ist das neuste Opfer dieses Usus geworden, wie die Medizinische Hochschule Hannover nun in einem Urteil bestätigte.

Ursel weiter Doktor

Die Medizinische Hochschule Hannover hat entschieden, dass die Doktorarbeit von Ursula von der Leyen Plagiate enthält. Gleichzeitig darf die Kriegsministerin ihren Doktortitel behalten. Wie geht das zusammen? Laut Süddeutsche ist von der Leyen “davon gekommen”.

Die Begründung der Hochschule geht einen einfachen Weg, der genau auf das Problemfeld hinweist: Sie versucht das zugrundeliegende Prinzip in Frage zu stellen. Von der Leyen hat Plagiarismus betrieben. Da sie aber Neues zutage gefördert hat, in ihrer Doktorarbeit, will man ihr die Mängel verzeihen.

Plagiarismus ist Gewohnheit

Roland Preuß von der Süddeutschen Zeitung kritisiert diese Argumentation inhaltlich. Tatsächlich aber ist diese Begründung der Hochschule rein technischer Natur. Sie hat indirekt die Folien kritisiert, anhand derer Arbeiten im akademischen Feld bewertet werden.

Denn die Rahmenbedingungen für das Verfassen akademischer Dokumente beinhalten seit Jahrzehnten einen Bias, der alle Teilnehmer dazu bringt, Plagiarismus zu betreiben. Irgendwann hat sich im akademischen Feld die Idee breit gemacht, dass derjenige am meisten weiß, der möglichst viele Zitate in seinen akademischen Papieren unterbringt. Die prominentesten Opfer dieses Irrglaubens auf deutschem Boden heißen Annette Schavan, Silvana Koch-Mehrin oder Karl-Theodor zu Guttenberg und just eben die Kriegsministerin Ursula von der Leyen.

Ändert man die Prüfbedingungen, kann man dem Vorbeugen und muss nicht die Peinlichkeit von wildfremden Internet-Veröffentlichungen akzeptieren, die erst auf die eigenen Fehler hinweisen.

Kopieren und Zurücktreten?

Pierre Bourdieu hätte mir zugestimmt, wenn ich behaupte, dass die Elite der Studiosus (langes U für Plural) dazu erzogen wird, auf andere Quellen zu verweisen. Die Wissenschaft hat sich nie die Frage gestellt, ob das sinnvoll ist. Doch das Abschreiben/Hinweisen ist eine Art vertrauensbildende Maßnahme.

Es gibt viele Beispiele von Politikern, die über die Plagiate in ihren Arbeiten gestolpert sind, und von ihren Ämtern zurückgetreten. Von der Leyen hat Glück gehabt. Dummerweise wird man wegen ihr nicht anfangen, die nächsten Generationen nicht in die Abschreibefalle tappen zu lassen.

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Geschrieben am: 11.03.2016
Zuletzt aktualisiert: 11.03.2016
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